Quendel - der wilde Bruder des Thymians

Verfasser

Monika Kronsteiner, Kräuterpädagogin

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Donnerstag, 04. August 2016

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Kräuterkolumne

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Ich liebe den Quendel in meinem Garten, der jetzt mit seinen zart rosa-violett gefärbten Blüten wunderbar blüht. Auf steinigen, kargen und vor allem trockenen Plätzen gedeiht er mit viel Sonne und bildet ganze Teppiche. Gern kriecht er so an Wegrändern oder auf Wiesen dahin. Unverkennbar ist sein von Weitem wahrnehmbarer herb-würziger Duft.

Quendel ist der wildwachsende Bruder unseres Gartenthymians. Er wird auch Feldthymian, Sandthymian, Kinderkraut, Marienbettstroh, Geschwulstkraut oder Wilder Thymian genannt. Im Mittelalter war er bereits eine bekannte Arzneipflanze. Das ätherische Öl des Quendels riecht ein wenig scharf, er ist aber ein sehr aromatisch würziges Kraut, das wunderbar in der Küche zu verarbeiten ist. Mit den zarten Blüten schmeckt er köstlich in der Kräuterbutter, in Aufstrichen, Suppen, Dips, Soßen und Salaten. Ebenfalls bestens geeignet ist er für Tees, Hydrolate und Sirups.

In der Naturheilkunde lässt sich die Heilpflanze fast genauso verwenden wie Thymian. Quendel hat eine krampflösende, desinfizierende Wirkung und hilft bei Hustenreiz, Keuchhusten oder bei Asthmaerkrankungen. Zudem wirkt er schleimlösend, Verschleimungen können also leichter abgehustet werden.

In der Naturheilkunde gilt Quendel auch als ausgesprochenes Frauenkraut. Aufgrund seiner entkrampfenden Wirkung kann die Pflanze Menstruationskrämpfe wirkungsvoll mildern, fördert den weiblichen Zyklus und reguliert die Monatsblutung.

Quendel hat eine gute Wirkung auf unsere Nerven, er beruhigt und sorgt dafür, dass man abends leichter in den Schlaf findet und des Nachts besser durchschlafen kann. Als Aufguss kann er auch äußerlich angewendet werden, zum Beispiel bei Entzündungen der Haut, Prellungen und Quetschungen. Der Tee oder die Tinktur kann in Umschlägen auf die Haut gebracht werden, oder einem Vollbad hinzugefügt werden. Ich durfte schon oftmals die Erfahrung machen, dass Quendel gut bei Akne, unreiner Haut und bei Neurodermitis wirkt. Meine selbstgemachten Hydrolate kann ich für die Gesichtsreinigung und für die Juckreizlinderung der gestressten Haut nur empfehlen. Sie können aber auch einen Tee zubereiten und damit die entzündete Haut waschen, oder diesen als Auflage verwenden. Weiters besteht auch die Möglichkeit, eine Quendelsalbe zu verwenden.

Wem Speisen schwer im Magen liegen, oder wer über einen empfindlichen Bauch klagt sollte viel mit Quendel würzen. Er hat eine anregende Wirkung auf die Verdauung, und Blähungen sowie Sodbrennen können schon im Vorfeld vermieden werden. In Eierspeisen, Fleisch-, Fisch- und Kartoffelgerichten schmeckt er hervorragend. Hildegard von Bingen empfiehlt Quendel als eines der wichtigsten Gewürze neben Galgant und Bertram, sowie als Klassiker für eine schöne Haut. Wichtig ist, dass man Quendel mit der Nahrung mitkocht, so entfaltet er sich und schmeckt angenehm würzig.

Quendelbutter: 250 g weiche Butter mit einer Tasse abgezupften, kleingehackten Quendelblüten und Salz gut verrühren. Die Kräuterbutter bei Raumtemperatur stehen lassen, sodass sich die ätherischen Öle mit der Butter gut verbinden können. Eine Rolle formen und diese in den Kühlschrank geben. Diese Kräuterbutter schmeckt köstlich zu Gegrilltem oder schnell mal als Butterbrot.

Genießen Sie die Zeit des Sommers und lassen Sie sich von den wunderbaren Heilpflanzen verführen, die uns so treu und in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stehen.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen


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