Königskerze - eine wahrhaft königliche Pflanze

Verfasser

Monika Kronsteiner, Kräuterpädagogin

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Dienstag, 07. Juli 2015

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Kräuterkolumne

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Farbenfroh leuchtend strahlt uns die Königskerze schon von Weitem entgegen. Ihr samtig schillerndes Blütengelb löst ein warmes Wohlgefühl aus und erhellt die Seele. Sie wärmt und gibt Licht bei Engpässen, sie kann in vielen Nöten helfen. Kerzengerade erhebt sich die stattliche Pflanze weit über das Grün der anderen Pflanzen. Manchmal ist sie sogar größer als wir. Die Königskerze öffnet täglich nur ein paar zart duftende Blüten, die an langen Blütenständen in Büscheln vereint sind und nie auf einmal blühen. Kaum ist eine erloschen, geht schon das nächste Licht auf. Ich finde es gibt kein freundlicheres, wärmenderes Gelb, als das der Königskerzenblüten. Als aufrechte, starke Pflanze, so wie sie sich präsentiert, möchte die Königskerze Selbstvertrauen stärken, Kraft schenken und Klarheit verschaffen.

Seit Jahrhunderten ist die Königskerze eine wichtige Heilpflanze bei depressiven Verstimmungen und ein pflanzliches Hustenmittel.

Hildegard von Bingen hat die Königskerze jenen Menschen verordnet, die ein „trauriges Herz und Schweremut“ haben. Sie schreibt in ihren Büchern: „Wer ein schwaches und trauriges Herz hat, soll Königskerzen zusammen mit Fleisch, Fisch oder Kuchen kochen und essen, dann wird sein Herz wieder gekräftigt und wieder freudig werden. Wer in der Stimme, in der Kehle heiser ist und in der Brust schmerzen hat, der koche Königskerze und Fenchel in gleichen Teil mit gutem Wein. Abseihen und oft trinken, dadurch wird die Stimme wiedererlangt und die Brust wird geheilt.“

Bevor die Königskerze ihre stattlichen Blütenkerzen in den Himmel reckt, nimmt sie sich das erste Jahr Zeit, um eine Blattrosette zu entwickeln. Die Blätter sind samtig weich, dank eines wolligen Haarpelzes, der das Blatt einhüllt. Er hat der Königskerze übrigens zu ihrem Namen Wollkraut verholfen. Durch dieses filzige Haarkleid schützt sich die Pflanze vor zu starker Verdunstung, so dass sie auch an heißen, sehr trockenen Orten leben kann. Sie liebt Kiesgruben, Böschungen, Straßenränder und trockene Wiesen. Königskerzen sind genügsame zweijährige Pflanzen, die Lichtkeimer säen sich selbst wieder aus.

Der Name Königskerze hatte einst eine wichtige Bedeutung, da aus den Stängeln der Pflanze Kerzen bzw. Fackeln gemacht wurden. In Öl, Harz, Pech oder Wachs getaucht, brennt die Königskerze lange, so entstand der Name Kerze.

Der Glaube an eine geheimnisvolle Verbindung der Königskerze mit dem Wetter hat sich bis heute gehalten. Die Wetterkerze, wie sie noch genannt wird, darf man nicht ohne Grund abreißen, denn sie hält den Blitz vor dem Haus ab. Zu Maria Himmelfahrt am 15. August ist die Königskerze, auch Marienkerze genannt, das prachtvolle Mittelstück der Kräuterbüschel, die Mensch und Tier vor Krankheit bewahren sollen. Mit dem im Vorjahr gebundenen Kräuterbüschel werden Haus, Hof und Ställe geräuchert.

Die Königskerze wird auch Himmelbrand, Frauenkerze oder Brennkraut genannt und hinter jedem dieser Namen steckt eine weitere wertvolle Geschichte.

Am häufigsten werden die Blüten als Tee verwendet und getrunken. Dies kann Erleichterung bei allen Formen der Erkältung, trockenem Husten, Bronchitis, Heiserkeit und Asthma verschaffen. Durch den milden Geschmack ist der Tee auch gut für Kinder geeignet.

Die Blüten werden jetzt im Juli und August gesammelt und gut getrocknet, sonst haben sie dunkle Verfärbungen.

Wenn auch Sie der wunderbaren Königskerze begegnen, lassen Sie sich von ihr inspirieren und den Tag erhellen.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen


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