Aderlässe, Kräuterstempel und ein gesalzenes Hemd

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Mittwoch, 13. März 2013

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HOLIDAY EXPRESS, 13.03.2013

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„An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit“! Keine Ahnung, ob Campino, der Sänger von den Toten Hosen, jemals in den Genuss der Kräuterstempel in Bad Kreuzen gekommen ist. Aber möglich wäre es schon, dass er hin und wieder im Mühlviertel in Oberösterreich vorbei schaut. Ich jedenfalls bin entspannt, ich hänge durch und fühle trotzdem jede Faser meines Körpers. Gerade werde ich von Friederike „gestempelt“. Dass hier niemand auf falsche Gedanken kommt: Es sind zart duftende Kräuterstempel, mit denen ich sanft massiert werde. Kurz vorher noch frisch für mich von der mehr als 80jährigen Schwester Josefaaufbereitet. Speziell für mich, dem Sanguiniker und Choleriker. 

Das hab ich ja immer schon geahnt und vor meinem Besuch hoch oben im Mühlviertel via Internet bestätigt gefunden. Eine spezielle Betreuung bekomme ich dafür in Bad Kreuzen, im Traditionshaus bei den Marienschwestern. Anwendungen, Massagen, ja sogar das Essen ist auf mich und meinen überwiegenden Archetypen ausgerichtet. Das Kneipp-Traditionshaus, so nebenbei bemerkt, ist seit kurzem das 1. Zentrum für TEM (Traditionelle Europäische Medizin). Und damit dies keine leeren Worthülsen, sondern gelebte, wissenschaftlich untermauerte Philosophie ist, sagt Fritz Kaindlstorfer „haben wir sogar einen Qualitätszirkel mit internationalen Fachleuten und Medizinern gebildet, die nicht nur die Qualität sichern sollen, sondern auch im weitesten Sinne in die Jahrtausende zurück forschen“. Okay. Aber bitte, wie erklär ich‘s meinem Freunde, lieber Herr Betriebsleiter hoch über Bad Kreuzen. Ich treffe ihn im „Pharmakon“, wo er einmal wöchentlich ganz entspannt räuchert, will sagen mit Kräutern gesunde Substanzen herstellt. „Nun, ganz einfach: Wir sehen den Menschen als Ganzes und bedienen uns alter und ganz alter Heilweisen, der über Jahrtausende erprobten und angewandten Medizin. Bei uns spielen die überlieferten Lehren von Hippokrates ebenso eine wichtige Rolle, wie jene Hildegard von Bingens, Paracelsus und natürlich von Pfarrer Sebastian Kneipp. In Verbindung mit der Spiritualität der Marienschwestern kann man bei uns getrost von beseelter Heilkunst sprechen.“ Dazu gehört auch die Puls-, Iris- und Zungen-Diagnostik von Frau Doktor Lehmann. Eindrucksvoll!

Mit den trendigen Wellness-Tempeln in denen man gar mit Schokolade eingeträufelt wird, hat das Haus der „Inneren Ruhe“ am Maria Hilf-Berg rein gar nichts zu tun. Schwester Josefa, verpackt derweil Lehm, Moor und Heu; taucht dann ein Hemd – wieder speziell für mich mehrmals in eine Salzlauge. Nach dessen Anwendung sollte ich dann ebenso gehörig ins Schwitzen kommen, wie beim morgendlichen Ruhen mit dem Heusack im Bett. Übrigens gleich nach einer Freiluft-Wyda-Einheit, der überlieferten Gesundheits-Gymnastik, die sogar von den Druiden stammt und wohl verwandt ist mit Yoga.

Überhaupt sind die Wurzeln der TCM und der TEM wahrscheinlich gar nicht so unähnlich, sagt Dr. Martin Spinka, kurärztlicher Leiter der drei Betriebe der Marienschwestern. Der ausgebildete Mediziner ist überzeugt davon, dass „wir mit der TEM dem Wesen des Menschen gerecht werden, ihn in seiner Einmaligkeit wahrnehmen können und die Schätze und Heilkräfte der Natur für ihn nutzen.“ Aber: „Die TEM ist keine Methode, keine Alternativmedizin, sondern nutzt lediglich die Erkenntnisse und Erfahrungen der über 2500jährigen Naturheilkunde. Und wir sind mit unseren Nachforschungen noch lange nicht am Ende“. Übrigens sind die seit kurzem angebotenen – auch ambulanten – Aderlässe nach Hildegard von Bingen ein echter Renner. Langfristige Anmeldungen für die Aderlässe, die nur innerhalb von sechs Tagen nach Vollmond vorgenommen werden, sind sehr zu empfehlen. Es ist auch der Lebensrhythmus, die Lebensordnung, die einen wichtigen Teil zur heilsamen Zeit in Bad Kreuzen beiträgt. Mir bleibt auch gar nichts anderes übrig, als diese wichtige Säule in der Kneipp’schen Ordnung zu akzeptieren. Früh, sehr früh (!) wird gefrühstückt und ganz pünktlich zu Mittag und abends gegessen. Die liebevolle Gastfreundschaft auch der Schwestern mit oftmals berührenden Begegnungen mit sich selbst und die spürbare christliche Spiritualität lassen mich zusätzlich durchatmen. Und: Ja! Es wird gebetet. Täglich mehrmals. Die Schwestern leben ihren Rhythmus und das spürt man im ganzen Haus. Ruhigen, menschlichen Lebensrhythmus. Nein, niemand wird zum Gebet gezwungen. Aber jeder und jede ist eingeladen. Übrigens auch in den Kräutergarten oder in den wunderbaren Kurgarten am steilen Berg oder zum Schwimmen in den Bioteich hinterm Haus, oder in die Sauna mit Kneipp’schen Aufgussölen und…. Noch etwas: Schwester Christiane, die Hausoberin, trifft man mitunter auch schon mal bei einem Glaserl guten Rotwein zu einem einfühlsamen Gespräch!

Nachzulesen unter: http://www.holiday-express.at/reportagen.php?id=409&land=at


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