Die Weide, ein altes Arzneimittel

Verfasser

Monika Kronsteiner, Kräuterpädagogin

Beitrag vom

Mittwoch, 05. April 2017

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Kräuterkolumne

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Wer kennt nicht die flauschigen und später honiggelben Weidenkätzchen? Als Palmkätzchen schmücken sie am Palmsonntag den Palmbuschen, ein Brauchtum, das auch heute noch sehr wertschätzend gepflegt wird.

Obwohl viele wertvolle Inhaltsstoffe in den Weidenkätzchen stecken, wurde ihre Heilkraft in den Hintergrund gerückt. Von den über 300 verschiedenen Weidenarten sind die Silberweide, Korbweide, Bruchweide und Salweide die bekanntesten. Sie wachsen als Bäume oder Sträucher in Feuchtgebieten entlang von Fluss- und Seeufern, Auen, feuchten Wiesen, Sümpfen und Mooren. Nach altem Volksglauben konnte die Weide Unheil oder Krankheiten abwenden.

Die Weidenrinde wurde in der Traditionellen Europäischen Medizin schon immer als Mittel gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber eingesetzt. Bereits Hippokrates, Paracelsus oder Hildegard von Bingen schätzten sie als wertvolles Heilmittel. Die Weide gehört zur Gruppe der alten Arzneimittel, deren Extrakte auch in der modernen Medizin nicht wegzudenken sind. Die Silberweide wird als natürliches Aspirin angesehen, da der wertvolle Inhaltsstoff Salice enthalten ist. Innerlich angewendet wird Weidenrinde bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, Arthritis, Kopf-, Rücken-, Gliederschmerzen, bei Fieber oder Grippe. Als Gurgelmittel kann die Weidenrinde wegen ihrer keimtötenden, bakterientötenden, desinfizierenden und entzündungshemmenden Wirkung bei Entzündungen im Mund, Hals- und Rachenbereich angewendet werden. Äußerlich angewendet wirkt der Tee unterstützend bei Hautirritationen, Geschwüren, Akne, Hühneraugen, Schwielen, Fußschweiß oder Kopfschuppen.

Kaum noch bekannt ist der Tee aus den Weidenkätzchen, der bei Schlaflosigkeit, Nervenstörungen oder Menstruationsbeschwerden getrunken wird. Auch eine Tinktur kann zubereitet werden, die eine sehr wirksame schmerzstillende Wirkung in sich trägt. Weiden blühen sehr früh im Jahr, meist schon im März. Noch vor dem Austreiben der Blätter werden die Blüten, die Weidenkätzchen, gebildet. Die männlichen Blüten sind gelb, die weiblichen grün, später wollig-weiß. Zwischen Juni und Juli reifen Samen, die durch die feinen Härchen fliegen können. Die ganz jungen Blätter der Weiden kann man roh im Salat essen, sie haben einen recht bitteren Geschmack. Von der Weide können somit die jungen Blätter, die Triebe und die innere Rinde verwendet werden.

Erntemonate der Rinde zu Heilzwecken sind März und April sowie der Oktober. Am besten wirken die Rinde von 2-3jährigen Ästen und die Kätzchen zeitig vor dem Blühen im Jänner oder Februar, je nach Vegetationszeit. Da sie eine der ersten Nahrungsquellen für Bienen sind, stehen Weidenkätzchen unter Naturschutz und dürfen daher nur im eigenen Garten geerntet werden.

Genießen Sie den Frühling und alles, was uns Mutter Erde an Heilzwecken immer wieder zur Verfügung stellt. Es ist das Kostbarste, wenn wir altes Wissen wieder beleben und für uns anwenden.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen


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