Kräuterbuschen

Verfasser

Monika Kronsteiner

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Freitag, 08. August 2014

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Kräuterbuschen

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Das ist der Hintergrund, warum Kräuter zu Sträußen gebunden und im Gottesdienst geweiht werden. Etwa seit dem 10. Jahrhundert wird die Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt gefeiert. Die Heilkraft der Natur war vielen Menschen bekannt, und die Kräuter wurden als Geschenk und Gabe Gottes erachtet. Traditionell wurden im Kräuterbuschen lebensnotwendige und heilkräftige Pflanzen wie Brotgetreide, Heil- und Gewürzpflanzen eingebunden. Wir kennen die Verbindung dieses Festes mit dem alten Schnitterfest, als an den Tagen um Maria Himmelfahrt, wenn das Korn geschnitten wurde, auf den Feldern Hochbetrieb herrschte. So feiern wir, was uns Mutter Erde an Gaben schenkt und gedenken unserer eigenen Ernte.

Die Kräuterbuschen bestehen traditionell aus 7, 9, 12, 14, 24, 72 oder 99 Kräutern. Zahlen, denen christliche und mythische Bedeutung zugedacht werden. Die klassischen Kräuter, die man dabei verwendet, sind unter anderem Johanniskraut, Wermut, Beifuss, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut. Sie unterscheiden sich regional in der Zusammensetzung. In vielen Gegenden ist es nach wie vor Brauch, dass man Kräuterbüscherl macht und sie in der Messe weihen lässt. Die Büscherl werden im Haus aufgehängt und sollen einerseits durch ihre Präsenz schützen und andererseits im Winter als Hausapotheke bei Krankheiten dienen. Es heißt, dass die gesegneten Kräuter als Tee eine besondere Heilwirkung haben. Den Tieren werden sie zum Futter gemischt, um sie gesund und kräftig zu halten. Zum Räuchern wurden die Kräuterbuschen ein ganzes Jahr über verwendet. Besonders groß soll deren Wirkung in den Raunächten sein. Mit Weihrauch vermischt soll diese Räucherung für Krankenzimmer besonders heilkräftig sein.

Mit dem 15. August beginnt auch der sogenannte Frauendreißiger. Kräuter haben 30 Tage lang eine ganz besondere Heilkraft, so dass in dieser Zeit deren Haupterntezeit, neben den Sonnenkräutern, liegt. An diesem Fest ist es Brauch, dass die ganze Familie in der Natur Heilkräuter und schöne Blumen sucht. Daraus werden die Kräuterbüscherl gebunden. Dieses Ritual war in manchen Gegenden in Vergessenheit geraten. Besonders in ländlichen Gegenden und von jungen Familien wird es wieder neu belebt. Es entspricht der Sehnsucht der Menschen, das Heilende und Schöne in der Natur zu entdecken. Dabei kann sich auch jeder alleine auf den Weg zu seinen „persönlichen Kräutern“ machen. Es können typische Kräuter gesammelt werden, die die Tradition für die Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt vorsieht, oder eigene Kräuter ausgesucht werden, die einen gerade besonders ansprechen. Bei diesen Kräutern spürt man: Die brauche ich jetzt in meiner Situation, die hellen meine Stimmung auf, die geben mir Kraft, die unterstützen mich in meinen Schwachstellen. Betrachten Sie die gepflückten Kräuter und Blumen näher, dann werden Sie das Geheimnis dieses Festes spüren. Hinter jeder Pflanze steht eine Geschichte, hinter jeder Geschichte ein Leben. Maria Himmelfahrt lädt dazu ein, die Rituale weiterzuführen, die unsere Ahnen überlieferten. Nehmen Sie Ihren geweihten Kräuterbuschen nach dem Gottesdienst mit nach Hause und stellen Sie ihn in die Gebetsecke. Bitten Sie in einem Gebet, dass Gott alles Kranke aus diesem Haus vertreibt, alle Wunden der Familie heilt und schützt. Es kann für Sie ein wertvolles Ritual werden.

Monika Kronsteiner, Kräuterpädagogin
im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin (TEM)
Bad Kreuzen


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