Kornelkirsche – die perfekte Vitaminbombe im Herbst

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Monika Kronsteiner

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Freitag, 12. September 2014

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Meine Lieblinge aber sind die Kornelkirschen. Es ist so ein wertvolles, gesundes und schmackhaftes Wildobst, das jetzt im Herbst unseren Vitaminhaushalt noch gut auffüllt. Die Kornelkirsche (Cornus mas) ist eine typisch europäische Wildfrucht, die im Volksmund auch Dirndlkirsche, gelber Hartriegel, Dirndlbeeren, Herlitze oder Hirlitze genannt wird.
In vielen Parks und öffentlichen Günanlagen, in neu gepflanzten Wildhecken, aber auch in freier Natur findet man oft diesen gelb blühenden Strauch mit den köstlichen Beeren. Man kann ihn zu einer dichten Hecke schneiden oder als Bäumchen pflanzen. Kornelkirschen können bis zu 4  Meter hoch werden, sind aber meist eher breit als hoch. Sie gehört zu den absolut ersten Frühlingsblühern und zeigt lange vor ihren glänzenden grünen Blättern die knallgelben Blütenknospen. So erfreut sie uns im Frühjahr mit einem auffallend gelb blühenden Bild und einem leicht nach Honig duftenden Aroma. Im niederösterreichischen Pielachtal ist der Bestand so groß, dass das Tal auch als Dirndltal touristisch vermarktet wird.  

Der Baum blüht von Februar bis in den April und ist somit eine wichtige erste Nahrungsquelle für Bienen. Die Früchte reifen im August oder September und sind auch bei diversen Vogelarten sehr beliebt. Die Kornelkirsche ist teilweise in Vergessenheit  geraten und oft nur noch als Zierholz bekannt. In früheren Zeiten waren die Früchte und vor allem das harte Holz wichtige Bestandteile der Ernährung, des Handwerks und der Kriegskunst. Die roten Früchte galten bereits bei der Heiligen Hildegard von Bingen als heilend für Magen und Darm und werden auch heute noch sehr empfohlen. Bei Durchfall und anderen Beschwerden kann man die Früchte roh essen, oder auf bereits vorbereitete Marmelade, Mus oder Sirup zurückgreifen. Auch die Rinde und die Blätter der Kornelkirsche setzte Hildegard von Bingen gegen chronische Darmleiden, Durchfall und Gicht ein.

Das Holz des Großstrauches aus der Familie der Hartriegel ist aufgrund seines langsamen Wachstums derart hart, dass es im Wasser nicht schwimmt, sondern untergeht. Früher wurde das Holz der Dirndlsträucher für Werkzeugstiele verwendet, im Altertum nützte man es auch für militärische Zwecke. Der Legende nach sollen der Bogen des Odysseus oder die Lanze des Romulus aus Kornelholz gebaut worden sein. Die essbaren Früchte sind länglich, rot und leicht säuerlich. Geerntet sollten sie aber erst dann werden, wenn sie bereits dunkel bis schwarzrot sind. Da schmecken sie süßer, und auch die Kerne sind leichter von der Schale zu befreien. Die Kornelkirsche schmeckt nicht nur gut, sie gibt den Speisen auch eine ansprechende rosa Farbe. Durch ihren Gehalt an Vitamin C  und vielen wertvollen Inhaltstoffen ist sie noch dazu eine sehr gesunde Frucht. Ich kann diese wunderbare Wildfrucht sowohl roh, als auch als Kompott, Sirup, Mus oder Marmelade sehr empfehlen.

Als weiterverarbeitetes Produkt hat heute jedoch das Kornelkirschwasser die größte Bedeutung. Dieser Obstbrand ist in Österreich auch als Dirndlbrand bekannt und hat eine lange Herstellungstradition. Eine pikante Variante ist, die noch grünen, kaum reifen, Früchte in Salzlauge oder Essig einzulegen, und sie ähnlich wie Oliven zu essen. Selbst die Kerne kann man weiterverarbeiten, indem man sie ordentlich vom Fruchtfleisch säubert, trocknet und dann in Stoff packt und zu Kornelkirschkissen verarbeitet. Auf die Heizung gelegt werden diese schnell warm und wirken lindernd bei Gelenkbeschwerden oder Erkältung. 

Dirndl-Sirup: 1,8 kg vollreife Dirndl-Früchte waschen und zerdrücken oder mit dem Stabmixer zerkleinern, mit 2 l  Wasser kurz aufkochen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag eine Vanilleschote dazugeben und nochmals aufkochen. Wieder über Nacht stehen lassen. Nochmals kurz aufkochen - den Saft durch ein Mulltuch ablaufen lassen – ein halbes Kilo Rohrzucker oder Honig zugeben, umrühren bis sich der Zucker oder Honig aufgelöst hat und in Flaschen abfüllen. In der kalten Jahreszeit ist dieser Sirup, eventuell mit Orangenschalen, Zimt und Nelken verfeinert, ein gutes Warmgetränk, um das Immunsystem zu stärken. Er schmeckt, als Punsch in einem Kräutertee serviert, köstlich.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Sammeln und Verarbeiten. Genießen Sie die wunderbaren Früchte, die unsere Mutter Erde uns zur Verfügung stellt. 

Monika Kronsteiner, Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin (TEM) Bad Kreuzen

 


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